Archiv 2014

16.3.2014

Studie zum Deutschland-Takt vor der Veröffentlichung: Initiative erwartet Bestätigung der Machbarkeit eines Deutschland-Taktes

Die Studie zur Machbarkeit eines Deutschland-Taktes, die die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat, steht kurz vor der Veröffentlichung. Die Initiative Deutschland-takt erwartet, dass die Machbarkeit eines Deutschland-Taktes bestätigt wird

Bei der Studie geht es um die grundlegende Sinnhaftigkeit einer auf einen Zielfahrplan ausgerichteten Planung von Investitionen in die Infrastruktur Schiene. Eine solche bundesweite Investitionspolitik fehlt bislang. Der Bundesverkehrswegeplan hat bisher in erster Linie große Einzelprojekte gefördert. Dadurch entstanden neue Engpässe und im Verkehrsangebot ungünstige Anschlüsse. Der derzeit in Vorbereitung befindliche Bundesverkehrswegeplan bietet erstmals die Chance, Einzelprojekte auf ihre Wirkungen im Gesamtnetz zu prüfen und ihre Priorität danach zu bewerten.

Unter Deutschland-Takt versteht man ein Fahrplansystem im öffentlichen Verkehr in Deutschland, das durch Vertaktung und Vernetzung eine bestmögliche Verbindung aller Bahnhöfe und Haltestellen ermöglicht. Fernverkehr und Regionalverkehr auf der Schiene sowie idealerweise auch Buszubringer sind in ein integrales Taktfahrplangefüge so eingebunden, dass optimale Anschlüsse in Richtungsknoten oder Taktknoten bestehen. Dabei sind die Bedürfnisse des Güteverkehrs nach zuverlässigen und schnellen Verbindungen von vornherein einzuplanen und mit dem Reisezugverkehr in Einklang zu bringen.

Über gute Verbindungen mit direkten Zügen hinaus kann es mit dem Deutschland-Takt gelingen, den öffentlichen Verkehr für einen großen Teil aller Verkehrsbedürfnisse zur Alternative zum privaten Pkw sowie innerdeutschen Flugverbindungen aufzubauen, indem auch verlässliche Umsteigeverbindungen möglich werden. Durch die integralen Taktfahrplansysteme in vielen Bundesländern sind wesentliche Bausteine bereits vorhanden, welche noch weiter verzahnt werden können. Die konsequente Einbindung des Fernverkehrs steht noch aus, ebenso wie in den meisten Bundesländern die durchgehende Einbindung des regionalen Busverkehrs.

Ergebnis eines derartigen Systems ist nach den Erfahrungen im Ausland und in vielen Bundesländern eine bedeutend höhere Inanspruchnahme des Schienenpersonenverkehrs und des öffentlichen Verkehrs insgesamt. Zu einem solchen System gehört auch ein Deutschland-Tarif, darunter versteht man die Vereinheitlichung von Tarifregeln sowie die Kompatibilität von Tarifsystemen.

Die Initiative Deutschland-Takt erwartet, dass diese guten Erfahrungen auch in dem großen deutschen Schienennetz zum Tragen kommen können, wenn die Planung auf ein Zielnetz ausgerichtet wird. Die Initiative geht davon aus, dass die Studie dies bestätigen wird.

„Es geht aber nicht darum, jetzt schon einen bestimmten Fahrplan als richtig oder falsch darzustellen,“ erklärt Hans Leister, Sprecher der Initiative. „Es geht um das Prinzip der Planung. Schienenverkehr findet nach Fahrplan statt. Wir sind der Überzeugung, dass der Fahrplan besser wird, wenn Investitionen auf einen Zielfahrplan ausgerichtet werden. Wenn schnelle Züge auf hoch belasteten Hauptstrecken halbstündlich statt stündlich verkehren können und dennoch Regional- und Güterzüge rasch durchkommen, wäre das ein großer Fortschritt. Manchmal genügen einige Weichen, an anderen Stellen muss hingegen gebaut werden. Dass ein Gesamtkonzept dafür Investitionen effizienter steuern kann, das ist unsere Überzeugung, und das soll die Studie nachweisen, deren Veröffentlichung wir erwarten.“

Die weiteren Schritte zur Umsetzung wird der Bund nach Einschätzung der Initiative Deutschland-Takt mit den Ländern, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Nahverkehrs, den Eisenbahnverkehrsunternehmen und vor allem der DB AG als Betreiber des Schienennetzes zu machen haben.

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6.11.2014

Machbarkeitsstudie Deutschland-Takt wird ergänzt

Am 6.11.2014 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ergänzende Untersuchungen im Rahmen der Machbarkeitsstudie zur Prüfung eines „Deutschland-Takts“ im Schienenverkehr in Auftrag gegeben.

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie zur Prüfung eines „Deutschland-Takts“ im Schienenverkehr werden 4 Szenarien fahrplantechnisch und infrastrukturell entwickelt und hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen für die Beteiligten abgeschätzt. Ausgangslage ist hierbei sowohl für die Infrastruktur wie für die Verkehrsströme der Bezugsfall B0 der Bedarfsplanüberprüfung zuzüglich einer Reihe von Infrastrukturmaßnahmen, die derzeit realisiert werden. Der zeitliche Horizont für das Szenario 1, mit dem die anderen Szenarien verglichen werden, ist etwa das Jahr 2025. Aus der Diskussion der Ergebnisse der bislang fertiggestellten Szenarien wurde deutlich, dass für die Bewertung und die politische Diskussion auch ein Vergleich der Szenarien mit der gegenwärtigen Situation (vorhandene Daten des Fahrplans 2013) erforderlich ist, um den Nutzen eines Integrierten Taktfahrplans gegenüber dem heute bekannten Angebot darzustellen. Ergänzend zu den bereits beauftragten Szenarien 1-4 ist an Hand der von der DB Netz AG zur Verfügung gestellten (Fahrplan-) Angaben ein Ist-Szenario 2013 zu entwickeln und hinsichtlich der wirtschaftlichen Daten und relationsbezogenen Reisezeiten auszuwerten sowie den Auswertungen der Szenarien 1-4 gegenüberzustellen.

Die Durchführung wird – wie der Hauptauftrag – der Arbeitsgemeinschaft IGES Institut GmbH/IVE-TU Braunschweig obliegen.

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Machbarkeitsstudie Deutschland-Takt vergeben

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat den Auftrag für eine Studie zur Machbarkeit des Deutschland-Takts an das Institut für Verkehrswesen, Eisenbahnbau und -betrieb, Technische Universität Braunschweig vergeben. Die Untersuchung wird durch eine Lenkungsgruppe begleitet, denen die Bundesministerien für Verkehr und Verbraucherschutz, die Bundesländer sowie die DB Netz AG angehören. Die Arbeiten sollen 2014 abgeschlossen werden. Im Koalitionsvertrag der CDU, CSU und FDP vom 26.10.2009 wurde vereinbart, die Vorschläge zum Deutschland-Takt gemeinsam mit den Ländern zu prüfen. Ziel eines Deutschlandtakts ist, das Zugangebot mittelfristig durch eine Integration der vorhandenen Taktfahrpläne des Fern- und Nahverkehrs bundesweit so zu verknüpfen, dass häufigere und schnellere Verbindungen durch optimale Umsteigemöglichkeiten entstehen. Ein Deutschland-Takt soll ein verlässliches Grundangebot und anbieterübergreifend ein auf möglichst vielen Relationen intermodal konkurrenzfähiges Angebot im öffentlichen Verkehr ermöglichen und die Attraktivität des Bahnverkehrs weiter verbessern. Die Machbarkeitsstudie soll weder die Marktforschungs- und Planungsaufgaben der Eisenbahnunternehmen und der Aufgabenträger im SPNV noch die Aufstellung des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege ersetzen, sondern diese ergänzen. Sie umfasst drei Aspekte:
> Prüfung der betrieblich-technischen Möglichkeiten: Aufbauend auf vorhandenen Daten soll geprüft werden, in welcher Form ein integraler Taktfahrplan (SPFV und SPNV) unter den deutschen Randbedingungen zu realisieren ist. Dazu sind auch alternative Möglichkeiten zu prüfen. In diese Untersuchung ist der Einfluss auf den Güterverkehr einzubeziehen. Erforderlichenfalls sollen betriebliche Maßnahmen sowie Infrastrukturmaßnahmen vorgeschlagen werden, die für die Umsetzung eines integralen Taktfahrplans erforderlich sind.> Überschlägliche Abschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen für die Beteiligten: Eine Konzeption für die Analyse der verkehrlichen Auswirkungen nach Einführung eines Deutschlandtakts ist zu entwerfen. Die Durchführung dieser Analyse ist nicht Gegenstand des Auftrags.
> Die rechtliche Prüfung der Vereinbarkeit eines solchen Taktfahrplans mit dem europäischen und nationalen Rechtsrahmen, insbesondere zur Problematik der Reservierung einzelner Trassen für bestimmte Verkehrsarten sowie dem freien Wettbewerb und freien Netzzugang.
Die Initiative Deutschland-Takt hat damit ein erstes Ziel ihrer Arbeit erreicht und wird die Arbeit der Gutachter konstruktiv begleiten, darüber berichten und die Schlussfolgerunen daraus formulieren.